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                                     Wenn die Familie zerbricht, reagieren Kinder meist
mit traurigem Schweigen


Daher hat die Buchautorin Dr. phil. Karin Jäckel die wichtigsten
Punkte aufgeschrieben, die Kinder in dieser schwierigen
Situation ihren Eltern gern ans Herz legen würden. 

                                                                                                
                                        
Copyright by Dr. phil. Karin Jäckel, www.karin-jaeckel-autorin.de



1.  Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. Ich habe jetzt zwar einen
Elternteil, bei dem ich hauptsächlich wohne und der die meiste Zeit für mich
sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.

2.  Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag. Ich habe euch beide
gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.

3.  Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten.
Wählt für mich seine Telefonnummer oder schreibt die Adresse auf einen
Briefumschlag. Helft mir, zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein schönes
Geschenk für den anderen zu basteln oder zu kaufen. Macht von den neuen
Fotos von mir immer einen Abzug für den anderen mit.

4.  Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet. Und benutzt mich
nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den
anderen traurig oder wütend machen.

5.  Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe. Der, von dem ich weggehe,
soll auch nicht denken, daß ich es in den nächsten  Tagen schlecht habe. Am
liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in
zwei Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.

6.  Plant nie etwas für die Zeit, die mir mit dem anderen Elternteil gehört. Ein
Teil meiner Zeit gehört meiner Mutter und mir, ein Teil meinem Vater und mir.
Haltet euch konsequent daran.

7.  Seid nicht enttäuscht oder böse wenn ich beim anderen bin und mich bei
euch nicht melde. Ich habe jetzt zwei Zuhause. Die  muß ich gut
auseinanderhalten – sonst kenne ich mich in meinem  Leben überhaupt nicht
mehr aus.

8.  Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustüre des anderen ab. Bittet den
anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein
schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich  abgeholt oder gebracht
werde, gibt es kurze Momente in denen ich euch beide habe. Zerstört das nicht
dadurch, daß ihr euch anödet oder zankt.

9.  Laßt mich vom Kindergarten oder bei Freunden abholen wenn ihr den
Anblick des anderen nicht ertragen könnt.

10.  Streitet euch nicht vor mir. Seid wenigstens so höflich, wie ihr es zu
anderen Menschen seid und wie ihr es auch von mir verlangt.

11. Erzählt mir nichts von Dingen, die ich noch nicht verstehen kann.
Sprecht darüber mit anderen Erwachsenen, aber nicht mit mir.

12. Laßt mich meine Freunde zu beiden von euch mitbringen. Ich wünsche
mir ja, daß sie meine Mutter und meinen Vater kennen und toll finden.

13. Einigt euch fair übers Geld. Ich möchte nicht, daß einer von euch viel Geld
hat und der andere ganz wenig. Es soll euch beiden so gut gehen, daß ich es
bei euch beiden gleich gemütlich habe.

14. Versucht nicht, mich um die Wette zu verwöhnen. Soviel Schokolade kann
ich nämlich gar nicht essen, wie ich euch beide lieb habe.

15. Sagt mir offen wenn ihr mal mit dem Geld nicht klar kommt. Für mich ist
Zeit ohnehin viel wichtiger als Geld. Von einem lustigen gemeinsamen Spiel
habe ich viel mehr als von einem neuen Spielzeug.

16. Macht nicht immer „action“ mit mir. Es muß nicht immer was Tolles oder
Neues sein, wenn ihr etwas mit mir unternehmt. Am schönsten ist es für mich,
wenn wir einfach fröhlich sind, spielen und ein bißchen Ruhe haben.

17. Laßt möglich viel in meinem Leben so, wie es vor eurer Trennung war.
Das fängt bei meinem Kinderzimmer an und hört auf bei den kleinen Dingen,
die ich ganz allein mit meinem Vater oder meiner Mutter gemacht habe.

18. Seid lieb zu den anderen Großeltern – auch wenn sie bei eurer Trennung
mehr zu ihrem eigenen Kind gehalten haben. Ihr würdet doch auch zu mir
halten wenn es mir schlecht ginge ! Ich will nicht auch noch meine Großeltern
verlieren.

19. Seid fair zu dem neuen Partner den einer von euch findet oder schon
gefunden hat. Mit diesem Menschen muß ich mich ja auch arrangieren. Das
kann ich besser, wenn ihr euch nicht gegenseitig eifersüchtig belauert. Es
wäre sowieso am besten für mich, wenn ihr beide bald jemanden zum
Liebhaben findet. Dann seid ihr nicht mehr so böse aufeinander.

20. Seid optimistisch. Eure Ehe habt ihr nicht hingekriegt – aber laßt uns
wenigstens die Zeit danach gut hinbekommen. Geht mal meine Bitten an euch
durch. Vielleicht redet ihr miteinander darüber. Aber streitet nicht. Benutzt
meine Bitten nicht dazu, dem anderen vorzuwerfen, wie schlecht er zu mir ist.
Wenn ihr das macht, habt ihr nicht kapiert, wie es mir jetzt geht und was ich
brauche, um mich wohler zu fühlen.


In Liebe, euer Kind







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